Aktuelle Lage in der deutschen Landwirtschaft: Zwischen Entlastung, Marktdruck und EU-Reformen
Die deutsche Landwirtschaft steht weiterhin im Spannungsfeld aus politischen Entscheidungen, wirtschaftlichem Druck durch den Lebensmittelhandel und den Herausforderungen durch europäische Vorgaben. Jüngste Entwicklungen zeigen eine teilweise Entlastung für Landwirte, während strukturelle Probleme wie die Konzentration im Lebensmitteleinzelhandel und das Höfesterben bestehen bleiben und die Diskussion um die Ausrichtung der Gemeinsamen Agrarpolitik (GAP) auf EU-Ebene intensiviert wird.
Bauernproteste und die Agrardiesel-Debatte
Die intensive Debatte um die Streichung der Agrardieselrückvergütung, die Anfang des Jahres 2024 zu bundesweiten Bauernprotesten führte, hat in den letzten Wochen eine entscheidende Wendung genommen. Die Bundesregierung hat die vollständige Wiedereinführung der Agrardieselrückvergütung in Höhe von 21,48 Cent pro Liter Diesel zum 1. Januar 2026 beschlossen. Diese Maßnahme wird die land- und forstwirtschaftlichen Betriebe jährlich um rund 430 Millionen Euro entlasten und soll die Wettbewerbsfähigkeit stärken sowie Planungssicherheit schaffen. Zuvor war die Entlastung schrittweise reduziert worden, bis sie im aktuellen Jahr 2025 nur noch 6,44 Cent pro Liter betrug. Die Wiedereinführung ist eine direkte Reaktion auf die Forderungen der Landwirte, die eine wesentliche Entlastung zur Sicherung ihrer Existenz und zur Senkung der Produktionskosten als unerlässlich ansehen.
Die Macht der Supermarktketten
Ein zentrales und weiterhin ungelöstes Problem für die Landwirtschaft ist die dominierende Marktmacht der großen Lebensmittelhandelsketten. Ein aktuelles Sondergutachten der Monopolkommission vom 21. November 2025 weist auf „deutliche Hinweise für Wettbewerbsprobleme“ im Lebensmittelmarkt hin, unter denen primär die Bauern litten. Demnach kontrollieren vier große Unternehmensgruppen – Edeka, Rewe, Schwarz (Lidl) und Aldi – rund 85 Prozent des Lebensmitteleinzelhandels in Deutschland. Die Kommission kritisiert, dass die Preise, die landwirtschaftliche Betriebe für ihre Produkte erhalten, in einem viel geringeren Maße steigen als die Verbraucherpreise, wodurch sich die Schere immer weiter öffnet und Gewinnmargen sich weg von der Landwirtschaft hin zu Lebensmittelherstellern und -händlern verschieben. Das Gutachten empfiehlt schärfere Fusionskontrollen und eine konsequente Durchsetzung der Regeln gegen unfaire Handelspraktiken, da Landwirte oft aus Furcht vor dem Verlust von Regalplätzen davor zurückschrecken, Verstöße zu melden. Diese strukturelle Ungleichheit führt dazu, dass Bauern trotz steigender Kosten und Inflation nicht von höheren Endkundenpreisen profitieren können, was die wirtschaftliche Lage vieler Betriebe zusätzlich verschärft.
EU-Vorgaben und ihre Auswirkungen
Die europäische Agrarpolitik und ihre Vorgaben stehen weiterhin im Fokus der Kritik deutscher Landwirte und ihrer Verbände. Der Präsident des Deutschen Bauernverbandes, Joachim Rukwied, hat am 11. November 2025 die Vorschläge der EU-Kommission zum Mehrjährigen Finanzrahmen und zur Gemeinsamen Agrarpolitik (GAP) ab 2028 als inakzeptabel bezeichnet. Der Bauernverband fordert eine grundlegende Überarbeitung, eine eigenständige GAP mit einem eigenständigen Finanzrahmen, der ein Budget zur Förderung der ländlichen Räume und klare Zuständigkeiten der Regionen einschließt. Insbesondere wird eine inflationsbereinigte Sicherung des GAP-Budgets und eine spürbare Einkommenswirkung gefordert, um den Betrieben Planungssicherheit und Wettbewerbsfähigkeit zu gewährleisten. Kritik richtet sich auch gegen die Tendenz, dass die EU-Kommission Ökolandwirtschaft aus einer „ideologischen Bullerbü-Sicht“ betrachte, wie am Beispiel der verschärften Auslegung der EU-Ökoverordnung deutlich wird, die eine vollumfängliche Weidepflicht für alle Tiere auf Ökobetrieben in Deutschland durchsetzen will und damit Betriebe zum Ausstieg zwingen könnte. Solche bürokratischen Auflagen, die nicht immer praxistauglich sind und die Wirtschaftlichkeit gefährden, werden als erhebliche Belastung wahrgenommen.
Höfesterben und die Zukunft des ländlichen Raums
Das sogenannte Höfesterben ist eine kontinuierliche Entwicklung in der deutschen Landwirtschaft. Seit dem Jahr 2000 ist die Zahl der landwirtschaftlichen Betriebe um über 44 Prozent gesunken, wobei die verbleibenden Betriebe tendenziell größer werden. Gründe hierfür sind vielfältig und umfassen Kostenvorteile größerer Betriebe durch effizienteren Maschineneinsatz und günstigere Betriebsmittelpreise, sinkende Erzeugerpreise, hohe Investitionskosten sowie eine fehlende Hofnachfolge. Diese strukturellen Veränderungen werden durch den inflationären Druck und steigende Pacht- und Kaufpreise für Boden sowie erhöhte Kosten für Betriebsmittel wie Düngemittel und Pflanzenschutzmittel noch verstärkt. Die Herausforderungen im ländlichen Raum gehen über die Landwirtschaft hinaus und umfassen Aspekte wie Fachkräftemangel, Leerstand von Wohnraum und eine oft unzureichende soziale Infrastruktur. Die Erhaltung und Stärkung einer vielfältigen Agrarstruktur sowie der ländlichen Räume als Lebens- und Wirtschaftsraum erfordert daher umfassende politische Strategien, die über rein agrarwirtschaftliche Aspekte hinausgehen und die Lebensqualität der Menschen vor Ort in den Mittelpunkt rücken.
Bild: KI-Generiert (Symbolbild)
Redaktion (30.11.2025) – Agrar-Redaktion




