Bundesregierung strebt Lockerung des EUAus ab 2035 an

Aktuelle Entwicklungen im Mobilitätssektor: Zwischen industriellem Umbruch und infrastrukturellen Herausforderungen

Die deutsche Automobilindustrie, der öffentliche Personennahverkehr (ÖPNV) und die Deutsche Bahn stehen weiterhin im Fokus politischer und gesellschaftlicher Debatten. Die letzten sieben Tage waren geprägt von Diskussionen um die Zukunft des Verbrennungsmotors, die Transformation hin zur Elektromobilität und anhaltende Probleme in der Schieneninfrastruktur. Hierbei zeigen sich deutliche Spannungsfelder zwischen ökonomischen Interessen, sozialen Gerechtigkeitsperspektiven und den Zielen des Klimaschutzes.

Automobilindustrie und das Verbrenner-Aus: Eine Politische Kurskorrektur mit Folgen

Die Debatte um das EU-weite Verbrenner-Aus ab 2035 erfährt aktuell eine bemerkenswerte Kurskorrektur seitens der Bundesregierung. Die schwarz-rote Koalition strebt auf EU-Ebene Lockerungen der geplanten Regelungen an, um der deutschen Automobilindustrie mehr Flexibilität und Technologieoffenheit zu ermöglichen. Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) setzte sich nach Beratungen des Koalitionsausschusses dafür ein, dass auch nach 2035 Fahrzeuge mit doppeltem Antrieb, wie Plug-in-Hybride oder Range Extender, sowie „hocheffiziente Verbrenner“ zugelassen bleiben sollen. Als zentrales Argument hierfür wird die Sicherung von Arbeitsplätzen in der deutschen Automobilwirtschaft genannt. Kritiker sehen darin eine mögliche Rolle rückwärts beim Klimaschutz, während die eFuel Alliance die Position der Bundesregierung begrüßt und auf die Nachhaltigkeit von Verbrennern mit erneuerbaren Kraftstoffen verweist, sofern die Emissionen über den gesamten Lebenszyklus betrachtet werden.

Die Krise in der deutschen Automobilindustrie schlägt sich bereits deutlich auf den Arbeitsmarkt nieder. In den ersten neun Monaten des Jahres 2025 sank die Zahl der ausgeschriebenen Stellen branchenweit um 15,4 Prozent. Besonders betroffen sind Führungspositionen und Stellen in Forschung und Entwicklung, wo die Ausschreibungen um bis zu 39 Prozent zurückgingen. Dies verdeutlicht die tiefgreifenden Umbrüche, die zu Lasten vieler Beschäftigter gehen. Gleichzeitig plant die Branche laut VDA-Präsidentin Hildegard Müller, bis 2029 weltweit über 500 Milliarden Euro in Forschung und Entwicklung sowie Sachinvestitionen zu tätigen, wobei ein großer Teil in neue Antriebssysteme fließt. Die VDA-Präsidentin warnte jedoch vor einem wachsenden Attraktivitätsverlust des Standorts Deutschland.

E-Mobilität: Hohe Preissensibilität und Bedarf an gezielter Förderung

Der Hochlauf der Elektromobilität in Deutschland verläuft weiterhin nicht wie gewünscht und stand 2025 laut Analysen an einem Kipppunkt. Nach dem Ende der staatlichen Umweltprämie Ende 2023 führten hohe Fahrzeugpreise und eine unzureichende Ladeinfrastruktur zu einem „massiven Einbruch“ des Marktes für batterieelektrische Fahrzeuge (BEV). Eine leichte Erholung der Nachfrage im Jahresverlauf 2025 ist vor allem auf starke Rabatte und neue Leasingmodelle zurückzuführen, was die hohe Preissensibilität der Konsumenten unterstreicht. Die Bundesregierung hat daraufhin eine neue E-Auto-Kaufprämie beschlossen, die insbesondere Haushalte mit einem Netto-Einkommen von weniger als 3.000 Euro pro Monat zusätzlich mit 1.000 Euro unterstützen soll. Eine Analyse des Center Automotive Research (CAR) weist darauf hin, dass der Markt politisch getrieben ist und gezielte Fördermaßnahmen für einkommensschwächere Käufer wirksamer wären als pauschale Prämien. Gleichzeitig gewinnen chinesische Anbieter durch aggressive Preisgestaltung und digitale Strategien Marktanteile, während europäische Hersteller mit Wettbewerbsnachteilen und bürokratischen Hürden kämpfen.

Krise im ÖPNV und bei der Deutschen Bahn: Baustellen, Verzögerungen und Arbeitskämpfe

Die Deutsche Bahn sieht sich weiterhin mit massiven Herausforderungen in ihrer Infrastruktur konfrontiert. Das überalterte Streckennetz erfordert Generalsanierungen bis Ende 2030, die im Jahr 2025 zu zahlreichen und teils langanhaltenden Baustellen und Fahrplanänderungen führen. Betroffen sind unter anderem Hauptachsen wie Hamm-Hannover und Hamburg-Berlin sowie der Knoten Berlin. Ein prominentes Beispiel für die anhaltenden Probleme ist das Bahnprojekt Stuttgart 21, dessen Eröffnung sich erneut verzögert. Als Grund werden Schwierigkeiten mit der digitalen Technik genannt, die für eine höhere Zugdichte unerlässlich ist. Diese wiederholten Verzögerungen bei Großprojekten verdeutlichen die Schwierigkeiten bei der Umsetzung komplexer Infrastrukturvorhaben.

Auch bei grenzüberschreitenden Projekten gibt es Rückschläge. Der Ausbau der Bahnstrecke zwischen Angermünde und Stettin verzögert sich weiter; der deutsche Abschnitt, ursprünglich für 2025 geplant, soll nun erst Ende 2027 fertiggestellt werden. Polen geht indes mit dem Bau seines Abschnitts voran, auch wenn die Finanzierung noch nicht vollständig gesichert ist. Ursachen für die Verzögerungen werden unter anderem in Personalmangel in der Bauindustrie gesehen.

Im kommunalen Nahverkehr zeigen sich ebenfalls Spannungen: Die Gewerkschaft ver.di hat in Halle (Saale) Tarifforderungen für die Beschäftigten des ÖPNV übergeben. Dazu gehören eine 35-Stunden-Woche bei vollem Lohnausgleich, höhere Zuschläge für Nacht- und Wochenendarbeit sowie längere Ruhezeiten zwischen den Schichten. Die Forderungen der Arbeitnehmerseite unterstreichen die Notwendigkeit, gute Arbeitsbedingungen im öffentlichen Sektor zu gewährleisten, um einen leistungsfähigen und zuverlässigen ÖPNV sicherzustellen. Eine Finanzierung durch Steuermittel anstatt durch weitere Belastungen der Fahrgäste wird hier als Möglichkeit gesehen.

Politisch wird auch über eine Stärkung des Umweltverbunds diskutiert. So fordern die Grünen auf ihrem Parteitag die Rückkehr zu einem Neun-Euro-Ticket als Element einer sozial gerechten Klimapolitik. Städte wie Bernau entwickeln zudem lokale Mobilitätskonzepte, um Fuß-, Rad- und öffentlichen Verkehr zu stärken und den Kfz-Verkehr zu entlasten, unter Einbindung der Bürgerinnen und Bürger.

Bild: KI-Generiert (Symbolbild)


Redaktion (29.11.2025) – Motor & Verkehr