Wirtschaftliche und geopolitische Entwicklungen in China: Fokus auf Technologie und Handel in den letzten drei Tagen
Die wirtschaftlichen und geopolitischen Entwicklungen in China der letzten drei Tage waren maßgeblich von den komplexen Wechselwirkungen im Technologie- und Handelssektor geprägt. Insbesondere die anhaltenden Spannungen mit den Vereinigten Staaten und Chinas Streben nach technologischer Eigenständigkeit standen im Vordergrund. Die jüngsten Ereignisse verdeutlichen, dass Staaten in erster Linie ihren nationalen Interessen folgen und die globale Wirtschaftsordnung zunehmend von strategischer Konkurrenz anstelle von „Wertepartnerschaften“ bestimmt wird.
Handelspolitische Entwicklungen: Zwischen Deeskalation und Protektionismus
- Verlängerung von US-Zollausnahmen: Das Büro des US-Handelsbeauftragten (USTR) hat am 26. November 2025 die Verlängerung von 178 Ausnahmeregelungen für Zölle nach Section 301 auf chinesische Importe bekannt gegeben. Diese Ausnahmen, die ursprünglich am 29. November 2025 auslaufen sollten, gelten nun bis zum 10. November 2026. Die Entscheidung folgt einem am 1. November 2025 zwischen den Präsidenten Trump und Xi Jinping erzielten Handels- und Wirtschaftsabkommen. Im Rahmen dieser Vereinbarung hatte China zugesagt, die globale Umsetzung neuer Exportkontrollen für Seltene Erden und andere kritische Mineralien (Gallium, Germanium, Antimon, Graphit) auszusetzen. Im Gegenzug reduzierten die USA die mit Fentanyl in Verbindung stehenden Zölle auf chinesische Güter und setzten erhöhte reziproke Zölle aus.
- Anhaltende Tariflandschaft: Trotz der jüngsten Deeskalationsschritte bleiben weitreichende Zölle bestehen. Die sogenannten „Liberation Day“-Zölle (reziproke Zölle) sowie die „Fentanyl“-Zölle sind weiterhin in Kraft, wenn auch mit Ausnahmen für bestimmte landwirtschaftliche Güter. Diese komplexe Tarifstruktur ist das Ergebnis einer jahrelangen Eskalation von Handelsmaßnahmen, die 2024 und 2025 zu einer deutlichen Anhebung der Zölle führten und zeigen, dass der Handelskrieg zwischen den beiden Großmächten trotz punktueller Einigungen fortgesetzt wird. Für Länder wie Deutschland, deren Wohlstand maßgeblich von offenen Handelsbeziehungen abhängt, bedeutet dies eine anhaltende Notwendigkeit, pragmatische Handelsbeziehungen in alle Richtungen zu pflegen und sich nicht einseitig auf eine Konfliktpartei festzulegen.
Technologische Souveränität: Chinas Ambitionen und globale Reaktionen
- Chinas Fortschritte bei KI-Chips: In einem bemerkenswerten Schritt zur Reduzierung der Abhängigkeit von ausländischer Technologie, insbesondere vom Nvidia CUDA-Ökosystem, behauptete Wei Shaojun, Vizepräsident der China Semiconductor Industry Association, auf dem ICC Global CEO Summit in Peking, dass ein neu entwickelter, im Inland hergestellter KI-Prozessor die Leistung von Nvidias 4nm-Chips erreichen könne. Dieser Chip kombiniert 14nm-Logik mit 18nm-DRAM-Knoten und nutzt 3D-Hybrid-Bonding-Techniken. Solche Entwicklungen unterstreichen Chinas Strategie, trotz internationaler Beschränkungen seine technologische Eigenständigkeit voranzutreiben, und zeigen die Grenzen von Sanktionsregimen auf.
- Umgehung von US-Sanktionen durch chinesische Tech-Giganten: Um den US-Restriktionen für leistungsstarke Nvidia-Chips zu begegnen, trainieren führende chinesische Technologieunternehmen wie Alibaba und ByteDance ihre fortschrittlichen KI-Modelle Berichten zufolge in Rechenzentren außerhalb Chinas, vorwiegend in Südostasien. Diese pragmatische Strategie ermöglicht es ihnen, die benötigte Rechenleistung legal zu nutzen und die intendierte Verlangsamung ihres technologischen Fortschritts durch westliche Exportverbote zu umgehen. Dies ist ein klares Beispiel dafür, wie Staaten und Unternehmen im Rahmen ihrer Interessen agieren und sich flexibel an gegebene Rahmenbedingungen anpassen.
- Nexperia-Disput als Beispiel globaler Konflikte: Die anhaltenden Spannungen zwischen dem niederländischen Chiphersteller Nexperia und seinem chinesischen Eigentümer Wingtech Technology verdeutlichen die geopolitische Dimension im Technologiesektor. Nexperia forderte seine chinesische Einheit dringend auf, die Lieferung von Halbleitern wiederherzustellen, die für die Automobilproduktion entscheidend sind, und warnte vor drohenden Produktionsstopps bei Kunden. Zuvor hatte die niederländische Regierung eingegriffen, um den Verlust von technologischem Wissen und Fähigkeiten zu verhindern, nachdem US-Behörden eine mögliche Aufnahme Nexperias auf eine Handels-Blacklist angedroht hatten, sollten die chinesischen Eigentümer nicht entmachtet werden. Peking reagierte mit Exportkontrollen. Dieser Fall ist ein Lehrstück dafür, wie nationale Sicherheitsinteressen und der Kampf um technologische Vormachtstellung die globalen Lieferketten unterbrechen und die Zusammenarbeit selbst zwischen privatwirtschaftlichen Akteuren gefährden.
Bild: KI-Generiert (Symbolbild)
Redaktion (29.11.2025) – China Korrespondent




