Am 21. Januar 2026 räumte die Polizei von Buenos Aires gewaltsam mehrere besetzte Gebäude im Stadtteil Barracas. Bei den Auseinandersetzungen wurden 127 Personen festgenommen, darunter 23 Minderjährige, und mindestens 15 Menschen, darunter 8 Polizisten, verletzt.
Chronologie des Einsatzes
Der Einsatz begann um 5:30 Uhr morgens an der Ecke Avenida Amancio Alcorta und Osvaldo Cruz. Über 400 Beamte der städtischen Polizei (Policía de la Ciudad) und der Bundespolizei (Policía Federal) waren beteiligt. Sie rückten gegen drei besetzte Wohngebäude und ein ehemaliges Fabrikgebäude vor, die seit November 2025 von etwa 180 Familien der Bewegung „Sin Techo“ (Ohne Dach) bewohnt wurden. Laut Polizeisprecherin María Laura Zingoni wurden Tränengas und Gummigeschosse eingesetzt, nachdem Bewohner mit Steinen und Molotow-Cocktails geworfen hätten. Die Feuerwehr musste zwei kleinere Brände in den Gebäuden löschen.
Hintergrund und rechtliche Grundlage
Die Räumung erfolgte auf Grundlage einer richterlichen Anordnung von Richter Carlos Alberto Méndez vom Zivilgericht Nr. 45 vom 15. Januar 2026. Die Gebäude gehören dem staatlichen Immobilienunternehmen „Corporación Buenos Aires Sur“. Die Besetzer, angeführt von der Aktivistin Lucía „Pepa“ Gutiérrez, forderten die Überführung der Immobilien in ein soziales Wohnungsprogramm. Sie beriefen sich auf das 2024 verabschiedete „Notstandsgesetz zur Wohnungsfrage“ (Ley de Emergencia Habitacional), das die Regierung von Präsident Javier Milei jedoch per Dekret 70/2025 im Dezember 2025 weitgehend außer Kraft setzte. Bereits am 7. Januar 2026 war es bei einer kleineren Räumung im Viertel Flores zu 34 Festnahmen gekommen.
Reaktionen und Folgen
Die Menschenrechtsorganisation „Centro de Estudios Legales y Sociales“ (CELS) kritisierte den Einsatz als „exzessive und unnötige Gewalt“. Die festgenommenen Erwachsenen wurden in die Polizeistationen 5A und 7B verbracht, die Minderjährigen dem Jugendgericht überstellt. Die Stadtverwaltung unter Bürgermeister Jorge Macri bot den obdachlos gewordenen Familien vorübergehende Unterbringung in zwei städtischen Notunterkünften in Villa Soldati und Retiro an. Laut offiziellen Angaben nahmen bis zum Abend des 21. Januar lediglich 22 Familien dieses Angebot an.
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