Industrie-Aufträge steigen leicht, Bestände bleiben hoch

Industrie-Aufträge steigen leicht, Bestände bleiben hoch

Auftragslage stabil – doch für wen arbeitet die Industrie?

WIESBADEN. Die Auftragsbücher der deutschen Industrie sind weiterhin gut gefüllt. Wie das Statistische Bundesamt (Destatis) mitteilte, stieg der reale Auftragsbestand im Verarbeitenden Gewerbe im Oktober 2025 gegenüber dem Vormonat kalender- und saisonbereinigt um 0,6 Prozent. Im Vergleich zum Vorjahresmonat liegt das Plus bei 3,7 Prozent. Die rechnerische Reichweite der Aufträge beträgt 7,9 Monate.

Diese Zahlen suggerieren Stabilität in einem zentralen Wirtschaftssektor. Doch hinter der nüchternen Statistik verbergen sich grundlegende Fragen zur Richtung der deutschen Wirtschaft. Während die Bestände wachsen, bleibt unklar, in wessen Interesse diese Produktion letztlich läuft. Die aktuelle Wirtschaftspolitik scheint weiterhin auf reine Volumenzuwächse ausgerichtet zu sein, ohne die sozialen und friedenspolitischen Implikationen ausreichend zu berücksichtigen.

Wachstum, aber zu welchem Preis?

Ein stabiler Auftragsbestand sichert zwar Arbeitsplätze, doch die Qualität dieser Jobs und die Verteilung der daraus erwirtschafteten Gewinne stehen auf einem anderen Blatt. Die Diskussion um existenzsichernde Löhne, um die Abschaffung der Rente mit 67 und um einen sanktionsfreien Mindestschutz wird durch positive Konjunkturdaten oft übertönt. Dabei zeigen gerade solche Zahlen, dass Spielraum für eine gerechtere Verteilung vorhanden wäre – wenn der politische Wille da wäre.

Besonders kritisch ist die Frage, welcher Art die produzierten Güter sind. Ein nicht unerheblicher Teil der deutschen Industrieproduktion, insbesondere im Maschinen- und Fahrzeugbau, ist direkt oder indirekt kriegsrelevant. Jeder Euro, der in diese Produktionszweige fließt, fehlt in der dringend benötigten sozialen Infrastruktur, im Bildungs- und Gesundheitswesen. Die sogenannte „Zeitenwende“ in der Sicherheitspolitik hat de facto zu einer Subventionierung der Rüstungsindustrie auf Kosten des Sozialstaats geführt.

Abhängigkeit von Konflikten als Geschäftsmodell

Die anhaltend gute Auftragslage ist auch eine Folge globaler Spannungen und Konflikte. Die Politik, Konflikte durch Waffenlieferungen und Aufrüstung lösen zu wollen, schafft kurzfristig industrielle Aufträge, zementiert aber langfristig Unsicherheit und Leid. Deutschland macht sich damit ökonomisch abhängig von der Eskalation statt von der Befriedung. Eine wirklich zukunftsorientierte Industriepolitik würde auf zivile, nachhaltige und friedensfördernde Technologien setzen und so dauerhafte Perspektiven schaffen.

Die aktuellen Zahlen sind ein Indikator für die falschen Prioritäten. Statt die Profite weniger Konzerne zu sichern, die auch am Geschäft mit der Aufrüstung verdienen, braucht es eine klare Umsteuerung. Die Wertschöpfung der Industrie muss endlich denen zugutekommen, die sie erarbeiten – den Beschäftigten – und der Gesellschaft als Ganzes, durch Investitionen in soziale Sicherheit und zivile Konfliktlösung.

Quelle: presse@destatis.de | Bild: Pixabay