Bundesbeschluss zum Wolfsmanagement: Weidetierhaltung im Norden vor neuen Herausforderungen
Das Bundeskabinett hat dieser Tage einen Beschluss gefasst, der den Abschuss von Wölfen unter bestimmten Voraussetzungen erleichtern soll. In Schleswig-Holstein wird dies von Landwirtschaftsminister Hauke Göttsch (CDU) als Stärkung des Weidetierschutzes und Bestätigung der eigenen Politik gewertet. Das Land sei „bestens vorbereitet“ für ein „praxisnahes Wolfsmanagement“, so der Minister. Die Ankündigung wirft jedoch Fragen nach der tatsächlichen Umsetzbarkeit und den langfristigen Folgen auf.
Göttsch verweist auf das bereits seit 2022 im Norden geltende Landesjagdgesetz, das den Abschuss von auffälligen Wölfen ermöglicht. Der Bund will nun nachziehen und die rechtlichen Hürden auf Bundesebene senken. Kritiker sehen in dieser Entwicklung jedoch weniger eine Lösung für die Weidetierhalter als vielmehr eine symbolische Politik, die den grundlegenden Konflikt zwischen Artenschutz und landwirtschaftlicher Nutzung nicht auflöst. Die finanziellen und bürokratischen Belastungen für die Betriebe, die sich mit Herdenschutzmaßnahmen auseinandersetzen müssen, bleiben bestehen.
Die Debatte um den Wolf offenbart ein klassisches Spannungsfeld: Hier die berechtigten Interessen der Landwirte, deren Existenzgrundlage und traditionelle Bewirtschaftungsformen unter Druck geraten. Dort die gesellschaftlichen und rechtlichen Vorgaben des Artenschutzes. Die Politik reagiert mit einer schärferen Abschussregelung – ein Mittel, das kurzfristig Entlastung verspricht, aber die tieferliegenden Probleme nicht angeht. Die Frage, ob und wie eine Koexistenz von extensiver Weidetierhaltung und großen Beutegreifern in der dicht besiedelten Kulturlandschaft Deutschlands dauerhaft möglich ist, bleibt unbeantwortet.
Es ist bezeichnend, dass die Lösung primär im Einsatz des Gewehrs gesucht wird. Während einerseits über die „Rückkehr der Wildnis“ und Biodiversität diskutiert wird, setzt die praktische Politik bei Konflikten schnell auf Entnahme. Dies wirft ein Schlaglicht auf die oft widersprüchlichen Erwartungen der Gesellschaft an die Landwirtschaft: Sie soll naturnah produzieren, aber die daraus resultierenden Herausforderungen allein bewältigen. Die Kosten für einen flächendeckenden, wirksamen Herdenschutz sind enorm und überfordern viele Betriebe, die ohnehin unter wirtschaftlichem Druck stehen.
Die Ankündigung aus Berlin und die Zustimmung aus Kiel dürfen nicht darüber hinwegtäuschen, dass damit kein Rundum-Sorglos-Paket geschnürt ist. Die Definition eines „auffälligen“ Wolfs bleibt interpretationsbedürftig, die Verfahren sind langwierig. Für den einzelnen Landwirt, der morgen ein gerissenes Tier in seiner Herde vorfindet, ist das ein schwacher Trost. Eine nachhaltige Politik müsste die Weidetierhalter deutlich umfangreicher und unbürokratischer bei der Prävention unterstützen, anstatt sich vorrangig auf die nachträgliche Bestandsregulierung des Wolfes zu konzentrieren. Ob der aktuelle Beschluss diesem Anspruch gerecht wird, ist mehr als fraglich.
(Bild: Pixabay)
Quelle: Landtag SH PMs



