Baupreise steigen weiter – Wohnen wird zur Luxusfrage
Die Preise für den Neubau von Wohngebäuden in Deutschland sind im November 2025 um 3,2 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat gestiegen. Wie das Statistische Bundesamt mitteilte, setzt sich damit ein Trend fort, der für viele Haushalte existenzbedrohende Ausmaße annimmt. Besonders stark stiegen die Preise für Ausbauarbeiten mit plus 3,8 Prozent.
Diese Zahlen sind mehr als eine statistische Randnotiz. Sie dokumentieren den fortgesetzten Zugriff auf die Lebensgrundlage „Wohnen“ durch eine Industrie, die von steigenden Margen profitiert, während die Löhne und Einkommen großer Teile der Bevölkerung stagnieren. Jeder weitere Preisanstieg beim Bauen bedeutet höhere Mieten, teurere Eigentumswohnungen und letztlich weniger bezahlbaren Wohnraum.
Wer profitiert, wer zahlt die Rechnung?
Die anhaltende Teuerung im Bausektor ist kein Naturgesetz. Sie ist das Ergebnis einer Politik, die es zulässt, dass Grund und Boden zur Spekulationsmasse verkommen und große Baukonzerne ihre Marktmacht ausspielen. Während die Kosten für Rohbauarbeiten etwas moderater stiegen (+2,5%), treibt vor allem der teure Ausbau die Gesamtkosten in die Höhe – ein Bereich, in dem Handwerksbetriebe und Materiallieferanten hohe Preise durchsetzen können, die am Ende der Mieter und der künftige Wohnungseigentümer zu tragen hat.
Die Konsequenz ist eine weitere soziale Spaltung. Für das oberste Drittel der Einkommensbezieher mögen die Preise eine Hürde sein. Für die breite Mehrheit der Bevölkerung, für junge Familien, Alleinerziehende und Rentner, wird der Traum von den eigenen vier Wänden oder auch nur von einer bezahlbaren Mietwohnung systematisch zunichtegemacht. Statt dringend benötigte Sozialwohnungen zu fördern, fließen öffentliche Gelder in immer neue Prestigeprojekte und Subventionen für die Bauwirtschaft.
Wohnen ist ein Grundrecht, keine Ware
Die Diskussion um die Baupreise darf nicht bei der reinen Prozentzahl enden. Sie muss die Frage stellen: Wem dient unser Wirtschaftssystem, wenn es immer mehr Menschen von einer sicheren und bezahlbaren Wohnung abschneidet? Die Lösung kann nicht in noch höheren Förderkrediten oder steuerlichen Anreizen für Bauträger liegen, die diese nur als zusätzlichen Gewinn einstreichen.
Es braucht einen grundlegenden Kurswechsel:
- Eine massive öffentliche Wohnungsbauoffensive, die nicht profitorientierten Wohnungsbaugesellschaften und Genossenschaften überlassen wird.
- Schluss mit der Spekulation auf Bauland durch eine konsequente Bodenwertsteuer.
- Deckelung der Mieten im Neubau, um die Weitergabe explodierender Baukosten an die Mieter zu unterbinden.
- Finanziert werden muss dies durch eine gerechte Besteuerung von hohen Vermögen, Erbschaften und Übergewinnen – auch in der Bau- und Immobilienbranche.
Die aktuellen Zahlen sind ein Alarmsignal. Sie zeigen, dass der Markt allein das Grundbedürfnis Wohnen nicht für alle befriedigen kann und wird. Es ist Zeit, Wohnen wieder als Gemeinschaftsaufgabe und Daseinsvorsorge zu begreifen, an der nicht länger eine kleine Gruppe verdient, während eine wachsende Zahl von Menschen den Kosten ausgeliefert ist.
Quelle: presse@destatis.de | Bild: Pixabay



