Grüner Wasserstoff: Fördergeld für eine ungewisse Zukunftstechnologie
Die Landesregierung hat den Startschuss für den Ausbau der grünen Wasserstoffproduktion gegeben. Im Rahmen eines ersten Förderaufrufs sollen insgesamt 50,7 Millionen Euro in den Bau von Elektrolyseuren fließen, die eine Gesamtleistung von 55 Megawatt erreichen sollen. Offiziell wird das Programm als wichtiger Schritt zur Energiewende und zur Unabhängigkeit von fossilen Brennstoffen gefeiert.
Doch hinter der grünen Fassade stellen sich kritische Fragen. Bei genauerem Hinsehen zeigt sich ein Muster, das von anderen Großprojekten bekannt ist: Öffentliche Gelder in beträchtlicher Höhe fließen in eine Technologie, deren wirtschaftliche Tragfähigkeit und gesamtenergetische Bilanz noch lange nicht erwiesen sind. Die Förderung kommt in erster Linie Unternehmen der Energie- und Anlagenbauindustrie zugute, während die langfristigen Kosten und der tatsächliche Nutzen für die Allgemeinheit unklar bleiben.
Experten weisen seit langem auf die enormen Energieverluste bei der Herstellung, Speicherung und dem Transport von Wasserstoff hin. Die für die Elektrolyse benötigte elektrische Energie muss zunächst aus erneuerbaren Quellen stammen – Energie, die ansonsten direkt ins Netz eingespeist oder für andere Zwecke genutzt werden könnte. Vor dem Hintergrund immer noch bestehender Engpässe bei der Stromerzeugung aus Wind und Sonne wirft dies die Frage nach der Prioritätensetzung auf. Statt in eine hochkomplexe und verlustbehaftete Speichertechnologie zu investieren, könnten die Mittel möglicherweise effizienter in den direkten Ausbau erneuerbarer Energien, in die Sanierung des maroden Stromnetzes oder in soziale Infrastruktur fließen.
Zudem droht die Wasserstoff-Strategie, zu einem Subventionsprogramm für Großindustrie und energieintensive Betriebe zu verkommen. Die Hoffnung, mit „grünem“ Wasserstoff industrielle Prozesse klimaneutral zu gestalten, ist verständlich. Die Gefahr besteht jedoch darin, dass am Ende eine doppelte Belastung für die Bürger entsteht: als Steuerzahler, die die Förderung finanzieren, und als Verbraucher, die möglicherweise höhere Energiepreise zahlen müssen, um die teure Produktion zu refinanzieren.
Die Politik stellt die Weichen für eine technologieintensive Zukunft. Ob diese auch eine sozial gerechte und gesamtwirtschaftlich sinnvolle Zukunft wird, bleibt offen. Bei aller Notwendigkeit innovativer Lösungen für die Klimakrise gilt: Öffentliche Investitionen in dieser Größenordnung müssen einem strengen Maßstab an Gemeinwohlorientierung und Effizienz genügen. Bisher fehlt es an einer transparenten Debatte darüber, wer die wahren Profiteure dieser „Wasserstoff-Offensive“ sind und ob die milliardenschweren Subventionen nicht anders – nämlich direkter und sozialer – eingesetzt werden könnten.
(Bild: Pixabay)
Quelle: BaWü



