Massive Proteste gegen Agrarreform in Punjab: Drei Tote, über 150 Verletzte bei Zusammenstößen mit Polizei

Massive Proteste gegen Agrarreform in Punjab: Drei Tote, über 150 Verletzte bei Zusammenstößen mit Polizei

Einleitung

Bei gewaltsamen Zusammenstößen zwischen protestierenden Landwirten und der Polizei im nordindischen Bundesstaat Punjab sind am 23. Dezember 2025 drei Menschen getötet und mindestens 157 verletzt worden. Die Auseinandersetzungen ereigneten sich auf der Nationalstraße 44 nahe der Stadt Khanauri im Bezirk Sangrur, als Tausende Bauern versuchten, nach Delhi zu marschieren.

Chronologie und Details

Die Proteste begannen am frühen Morgen des 23. Dezember. Nach Angaben der Polizei von Punjab versammelten sich ab 5:30 Uhr Ortszeit rund 15.000 Bauern unter der Führung der Gewerkschaften Kisan Mazdoor Morcha und Samyukta Kisan Morcha (Non-Political). Ihr Ziel war ein Marsch auf die Hauptstadt Delhi, um eine gesetzliche Garantie für Mindeststützungspreise (MSP) für alle landwirtschaftlichen Erzeugnisse zu fordern.

Gegen 8:00 Uhr versuchten die Bauern, die von der Polizei errichteten Barrikaden aus Betonblöcken und Stacheldraht an der Grenze zwischen Punjab und Haryana bei Khanauri zu durchbrechen. Die Polizei setzte nach eigenen Angaben Tränengas, Wasserwerfer und Gummigeschosse ein, um den Vormarsch zu stoppen. Augenzeugen, darunter der Bauer Gurpreet Singh aus dem Dorf Bhuttiwala, berichteten gegenüber lokalen Medien von einem „massiven und unverhältnismäßigen“ Einsatz von Gewalt durch die Sicherheitskräfte.

Die drei Todesopfer wurden als Manjeet Singh (45) aus Mansa, Gurjant Singh (52) aus Bathinda und ein noch nicht identifizierter Mann in den 30ern gemeldet. Der Leiter des örtlichen Gesundheitszentrums in Khanauri, Dr. Amandeep Kaur, bestätigte gegenüber der Nachrichtenagentur PTI, dass 157 Verletzte behandelt wurden, davon 23 mit schweren Verletzungen durch Gummigeschüsse und Stürze.

Hintergrund

Die aktuellen Proteste sind eine Wiederaufnahme der massiven Bauernproteste von 2020/21. Damals zwangen monatelange Sitzblockaden an den Grenzen Delhis die Regierung unter Premierminister Narendra Modi zur Rücknahme dreier umstrittener Agrarreformgesetze. Das zentrale Versprechen der Regierung, ein Gesetz zur Garantie von Mindeststützungspreisen für alle 23 Grundnahrungsmittel auszuarbeiten, wurde jedoch nicht eingelöst.

Das System der MSP, das für Weizen und Reis gilt, soll Landwirten ein Sicherheitsnetz bieten. Die Forderung der Bauerngewerkschaften, dieses auf alle Produkte wie Baumwolle, Mais und Hülsenfrüchte auszuweiten und gesetzlich zu verankern, wird von der Regierung mit Verweis auf die hohen fiskalischen Kosten und Marktverzerrungen abgelehnt. Der aktuelle Marsch wurde angekündigt, nachdem mehrere Verhandlungsrunden zwischen Gewerkschaftsführern wie Jagjit Singh Dallewal und Bundeslandwirtschaftsminister Shivraj Singh Chauhan im Dezember 2025 ergebnislos blieben.

Bildquelle: Pixabay