Bürokratie statt Behandlung: Wie Regressverfahren Hausärzte lähmen
Die hausärztliche Versorgung in Nordrhein-Westfalen steht unter massivem Druck. Während Patienten oft lange auf Termine warten, sehen sich die Praxen mit einer wachsenden Flut an bürokratischen Hürden und finanziellen Bedrohungen konfrontiert. Eine Kleine Anfrage im Landtag NRW (Drucksache 18/17132) wirft ein Schlaglicht auf ein besonders drängendes Problem: die sogenannten Regressverfahren der Krankenkassen und ihre verheerenden Auswirkungen auf die medizinische Grundversorgung.
Laut der Antwort des Ministeriums für Arbeit, Gesundheit und Soziales müssen sich Ärztinnen und Ärzte zunehmend dafür rechtfertigen, welche Medikamente sie verschreiben. Das Dispensierrecht, also das Recht, Patienten direkt mit Arzneimitteln zu versorgen, wird durch pauschale Rückforderungsansprüche der Kassen ausgehöhlt. Die Folge ist eine Praxis der Absicherungsmedizin: Aus Angst vor kostspieligen Regressen werden notwendige, aber vielleicht teurere Therapien möglicherweise nicht verordnet. Der bürokratische Aufwand für die Rechtfertigung jeder Verordnung bindet wertvolle Zeit, die am Ende bei den Patienten fehlt.
Dieses System trifft die Falschen. Es bestraft nicht etwa schwarze Schafe, sondern stellt die gesamte ärztliche Tätigkeit unter Generalverdacht. Die finanziellen Risiken, die auf die Praxen abgewälzt werden, gefährden insbesondere kleinere Hausarztpraxen in ländlichen Gebieten oder sozialen Brennpunkten, die ohnehin am Limit arbeiten. Statt die Ursachen für steigende Gesundheitskosten – wie etwa die Profite von Pharmakonzernen oder die intransparenten Preismodelche der Großkonzerne – anzugehen, wird der Druck auf diejenigen erhöht, die das System am Laufen halten.
Eine funktionierende, wohnortnahe Gesundheitsversorgung ist keine Frage der Bequemlichkeit, sondern eine grundlegende soziale Errungenschaft. Wenn Ärzte mehr Zeit mit Formularen als mit Patienten verbringen und in ständiger Furcht vor existenzbedrohenden Forderungen leben, geht am Ende die Qualität der Behandlung für alle verloren. Es braucht endlich eine Entlastung der Praxen von dieser bürokratischen Gängelung. Die Priorität muss auf der patientenorientierten Versorgung liegen, nicht auf der Kontrollwille von Kostenträgern, die damit von den eigentlichen Problemen im Gesundheitswesen ablenken.
Quelle: Landtag NRW | Bild: Pixabay



