Sankt Augustin ehrt NS-Opfer: Stolpersteine als Mahnung und Erinnerung

Im Rahmen eines bewegenden Projekts zur Erinnerung an die Opfer des Nationalsozialismus, initiiert durch die „Stiftung Spuren – Gunter Demnig“, steht Sankt Augustin kurz davor, eine bedeutende Entscheidung zu treffen. Der Kultur-, Sport- und Freizeitausschuss hat den Rat der Stadt empfohlen, die Verlegung von Stolpersteinen für drei ehemalige Bürger, die unter dem nationalsozialistischen Regime litten, zu genehmigen.

Die drei Erinnerten, Karolina und Johann Kurscheidt sowie Elisabeth Nicolay, repräsentieren die vielen Gesichter des Unrechts, das während dieser dunklen Zeit stattfand.

  • Karolina Kurscheidt, konvertierte „Volljüdin“, geb. 1898 als Karolina Herz in Geislar, verheiratet mit Johann Kurscheidt seit 1928 in einer (ab 1938 sogenannten) „privilegierten Mischehe“, wurde im September 1944 gemeinsam mit ihrem Ehemann zwangsweise umgesiedelt und wurde zum „geschlossenen Arbeitseinsatz“ in Hessisch Lichtenau (heute Werra-Meißner-Kreis) verbracht. Karolina Kurscheidt überlebte das Dritte Reich, kehrte im Juni 1945 nach Menden zurück und starb 1970 in Sankt Augustin. Sie wohnte 1944 in Menden, Am Turmhof 3 (heute: Von-Galen-Str. 3).
  • Johann Kurscheidt, katholisch, geb. 1901 in Obermenden, verheiratet mit Karolina Kurscheidt seit 1928 in einer (ab 1938 sogenannten) „privilegierten Mischehe“, wurde im September 1944 gemeinsam mit seiner Ehefrau zwangsweise umgesiedelt und wurde zum „geschlossenen Arbeitseinsatz“ in Witzenhausen (heute Werra-Meißner-Kreis) verbracht. Auch Johann Kurscheidt überlebte das Dritte Reich, kehrte im Juni 1945 nach Menden zurück und starb 1980 in Siegburg. Er wohnte 1944 ebenfalls in Menden, Am Turmhof 3 (heute: Von-Galen-Str. 3).
  • Elisabeth Nicolay, geb. 1919 in Obermenden, ledig, wurde wegen Arbeitsvertragsbruchs mehrfach bestraft. Nach Verbüßung mehrerer Freiheitsstrafen wurde sie 1943 in das Arbeitshaus Brauweiler überstellt und kam von dort ab Herbst 1944 zum Arbeitseinsatz in die Konzentrationslager Ravensbrück und Flossenbürg (Außenlager Dresden Universelle Maschinenfabrik), jeweils kategorisiert als „Asoziale“. Ihre beiden letzten Stationen waren wahrscheinlich das KZ-Außenlager Mockethal-Zatzschke (bei Pirna) und Königstein. Im April 1945 wurde sie letztmalig dort gesehen, danach verlor sich ihre Spur und sie galt als verschollen. 1967 wurde sie für tot erklärt. Sie wohnte 1943 in Menden, Hindenburgstr. 81 (heute: Siegstr. 79).

Ihre Geschichten sind ein stilles Zeugnis der Brutalität und des Leidens vieler.

Die geplanten Stolpersteine werden eine stetige Erinnerung an der letzten selbstgewählten Wohnadresse der Opfer sein. In einer Zeit, in der Hass und Diskriminierung noch immer unsere Gesellschaft bedrohen, sendet Sankt Augustin ein kraftvolles Signal der Erinnerung und des Widerstands.

Diese Aktion ist nicht nur eine Ehrengeste für die Opfer, sondern auch eine Lehrstunde in Menschlichkeit für die kommenden Generationen. Es erinnert uns daran, dass wir nie vergessen dürfen und dass jeder von uns die Verantwortung trägt, eine solche Geschichte sich niemals wiederholen zu lassen.

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