Entlassung der Notenbank-Chefin
Die Präsidentin der Zentralbank von Suriname, Tamara Guda, wurde am 6. Januar 2026 von der Regierung unter Präsident Chan Santokhi mit sofortiger Wirkung entlassen. Das Finanzministerium übernahm am selben Tag die direkte Kontrolle über die geldpolitische Steuerung des Landes. Die Entlassung erfolgte per Dekret des Präsidenten, das im Staatsblatt veröffentlicht wurde.
Unmittelbare Folgen und Reaktionen
Als Nachfolgerin wurde die stellvertretende Finanzministerin, Gillmore Hoefdraad, zur kommissarischen Leiterin der Zentralbank ernannt. Hoefdraad ist die Tochter des ehemaligen Finanzministers Gillmore Hoefdraad, der unter der vorherigen Regierung von Präsident Desi Bouterse amtierte. Der Internationale Währungsfonds (IWF), mit dem Suriname seit 2021 ein 690-Millionen-Dollar-Hilfsprogramm vereinbart hat, äußerte sich am 7. Januar 2026 „besorgt“ über die Entwicklung. Ein IWF-Sprecher betonte, die Unabhängigkeit der Zentralbank sei eine „wichtige Voraussetzung“ für das Programm.
Hintergrund: Konflikt um Geldpolitik und Staatsfinanzen
Der Konflikt eskalierte, nachdem die Zentralbank unter Guda im Dezember 2025 die Kreditvergabe an die Regierung verweigert hatte. Die Regierung Santokhi benötigte die Mittel zur Deckung von Haushaltsdefiziten und Gehaltszahlungen im öffentlichen Dienst. Bereits im November 2025 hatte die Zentralbank ihren Leitzins auf 26,0 Prozent angehoben, um die Inflation zu bekämpfen, die im Jahresvergleich bei über 40 Prozent lag. Das Dekret zur Entlassung Gudas berief sich auf das „Zentralbankgesetz“, das dem Präsidenten das Recht einräumt, den Vorstand „aus wichtigen Gründen“ zu entlassen. Ein ähnlicher Konflikt hatte sich im Jahr 2022 ereignet, als die damalige Zentralbank-Präsidentin Robertine van den Troost nach Differenzen mit der Regierung zurücktrat.
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