Südkoreas Regierung kündigt 2026 als ‚Jahr der Steuerreform‘ an – Fokus auf Umverteilung und höhere Besteuerung von Großkonzernen

Südkoreas Regierung kündigt 2026 als 'Jahr der Steuerreform' an – Fokus auf Umverteilung und höhere Besteuerung von Großkonzernen

Regierungserklärung mit konkreten Zielen

Die südkoreanische Regierung unter Präsident Yoon Suk Yeol hat am 18. Dezember 2025 offiziell das Jahr 2026 zum „Jahr der Steuerreform“ erklärt. Finanzminister Choi Sang-mok präsentierte die Pläne in einer Pressekonferenz im Regierungsgebäude in Seoul, Jongno-gu, Sejong-daero 209. Die Reform zielt laut Ministerium auf eine „grundlegende Neuausrichtung“ des Steuersystems ab, um Ungleichheit zu bekämpfen und die soziale Sicherung zu finanzieren.

Kernpunkte der angekündigten Reform

Die vorgeschlagenen Maßnahmen umfassen eine Erhöhung der Körperschaftsteuer für Großunternehmen mit einem Jahresgewinn über 300 Milliarden Won (ca. 200 Millionen Euro) von derzeit 25% auf bis zu 30%. Für Privatpersonen soll der Spitzensteuersatz für Jahreseinkommen über 500 Millionen Won (ca. 333.000 Euro) von 45% auf 50% angehoben werden. Gleichzeitig plant die Regierung eine Senkung der Einkommensteuer für Haushalte mit einem Jahreseinkommen unter 40 Millionen Won (ca. 26.600 Euro). Finanzminister Choi Sang-mok sagte: „Das aktuelle System belastet Arbeit und Lohn zu stark, während Kapitaleinkünfte und Vermögen relativ gering besteuert werden. Das muss sich ändern.“

Hintergrund: Steuerquote und vorherige Debatten

Südkoreas Steuerquote lag 2024 bei 32,1% des BIP und damit deutlich unter dem OECD-Durchschnitt von 34,0%. Die geplante Reform reagiert auf anhaltende Kritik von Gewerkschaften und zivilgesellschaftlichen Gruppen wie der „Korean Confederation of Trade Unions“ (KCTU). Diese fordern seit Jahren eine progressive Steuerreform. Ein konkreter Auslöser war der Bericht der National Tax Service vom November 2025, wonach die 10 reichsten Familienkonglomerate (Chaebol) zwischen 2020 und 2024 durch Steuervorteile und Holdingstrukturen geschätzte 45 Billionen Won (ca. 30 Milliarden Euro) an Steuern gespart haben sollen.

Reaktionen aus Wirtschaft und Politik

Der Wirtschaftsverband „Federation of Korean Industries“ (FKI) kritisierte die Pläne umgehend. Ein Sprecher sagte, höhere Unternehmenssteuern würden „Investitionen und internationale Wettbewerbsfähigkeit gefährden“. Die oppositionelle Demokratische Partei begrüßte grundsätzlich den Ansatz, forderte aber in einer Stellungnahme von Parteichef Lee Jae-myung noch schärfere Maßnahmen gegen Steuervermeidung durch Erbschaften und Aktiengewinne. Die Gesetzesentwürfe sollen im ersten Quartal 2026 in die Nationalversammlung eingebracht werden.

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