Haftstrafe für ehemaligen Innenminister
Das Strafgericht in Lissabon verurteilte am 17. Dezember 2025 den ehemaligen portugiesischen Innenminister Armando Vara zu einer effektiven Haftstrafe von fünf Jahren. Das Urteil fiel im Rahmen des langjährigen Korruptionsverfahrens ‚Face Oculta‘ (Verdecktes Gesicht). Vara, 68, war am Vortag, dem 16. Dezember, aus gesundheitlichen Gründen aus der Haft entlassen worden, wo er seit September 2024 eine vorbeugende Haftstrafe verbüßte.
Zahlungen und Beteiligte
Das Gericht sah es als erwiesen an, dass Vara im Jahr 2009, während seiner Tätigkeit für die staatliche Bank Caixa Geral de Depósitos (CGD), eine illegale Zahlung in Höhe von 300.000 Euro vom Bauunternehmer João Perna entgegengenommen hatte. João Perna, ein zentraler Akteur im Fall, wurde seinerseits zu einer Haftstrafe von vier Jahren und neun Monaten verurteilt. Die Zahlung soll im Zusammenhang mit einem Kredit in Höhe von 14,5 Millionen Euro der CGD an Pernas Unternehmen, die Grupo Perna, geflossen sein.
Weitere Verurteilungen und Prozesshistorie
Neben Vara und Perna wurden drei weitere Angeklagte verurteilt. Der ehemalige Präsident des Instituts für Finanzierungen und Unternehmensbeteiligungen (IFB), António Pita, erhielt eine Strafe von drei Jahren und neun Monaten. Die beiden ehemaligen CGD-Manager Rui Horta e Costa und Paulo Lalanda e Castro wurden zu Bewährungsstrafen von zwei Jahren bzw. einem Jahr und acht Monaten verurteilt. Der Prozess ‚Face Oculta‘ begann im Jahr 2014 und untersucht ein Netzwerk aus Korruption, Wirtschaftskriminalität und Steuerhinterziehung, das mehrere hochrangige Politiker und Geschäftsleute umfasst. Ein früherer Prozess im Jahr 2017 endete mit Verurteilungen, die jedoch 2020 vom Obersten Gerichtshof aufgehoben wurden, was zu diesem neuen Verfahren führte.
Reaktionen und nächste Schritte
Die Staatsanwaltschaft hatte für Armando Vara eine Haftstrafe von sieben Jahren gefordert. Die Verteidigung des Ex-Ministers kündigte nach der Urteilsverkündung um 16:30 Uhr Ortszeit im Justizpalast von Lissabon an, Berufung einzulegen. Das Urteil ist daher noch nicht rechtskräftig. Der Fall gilt als einer der größten politischen Korruptionsskandale in der jüngeren Geschichte Portugals.
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