Massiver Polizeieinsatz in Madrid: 127 Festnahmen bei Räumung besetzter Sozialwohnungen

Massiver Polizeieinsatz in Madrid: 127 Festnahmen bei Räumung besetzter Sozialwohnungen

Am 6. Januar 2026 räumten über 300 Polizeibeamte der Nationalpolizei und der Guardia Civil ein besetztes Wohngebäude in der Calle de la Ribera de Curtidores 12 im Madrider Stadtviertel Embajadores. Bei der zwölfstündigen Aktion wurden 127 Personen festgenommen, darunter 43 Minderjährige. Die Staatsanwaltschaft Madrid ermittelt wegen Hausfriedensbruchs und Widerstands gegen die Staatsgewalt.

Chronologie der Räumung

Der Einsatz begann um 5:30 Uhr morgens. Nach Angaben des Polizeisprechers Juan Carlos Herrera drangen Beamte in das sechsstöckige Gebäude ein, das seit dem 15. November 2025 von etwa 150 Personen, überwiegend Familien, besetzt gehalten wurde. Bis 17:30 Uhr wurden alle Bewohner aus dem Haus gebracht. Die Polizei setzte Räumgerät ein, um verbarrikadierte Türen zu öffnen. Sechs Beamte und elf Besetzer erlitten leichte Verletzungen, eine Person wurde mit Verdacht auf eine gebrochene Rippe ins Hospital Universitario La Paz eingeliefert.

Beteiligte Personen und Positionen

Die Besetzung wurde von der Plattform „Vivienda Digna Ya“ (Würdevolles Wohnen Jetzt) organisiert. Sprecherin Clara Montes (34) erklärte vor dem Gebäude: „Wir haben keine andere Wahl. Die Mieten in Madrid sind um 22% seit 2023 gestiegen, während 4.800 Sozialwohnungen leerstehen.“ Der für Wohnungspolitik zuständige Stadtrat der Madrider Stadtregierung, Álvaro García (PP), verteidigte die Räumung: „Das Gesetz muss durchgesetzt werden. Illegale Besetzungen blockieren den sozialen Wohnungsbau für 2.300 berechtigte Familien auf unserer Warteliste.“

Hintergrund: Leerstand und Wohnungsnot

Die Räumung ist der bisher größte Einsatz dieser Art im Jahr 2026. Das geräumte Gebäude gehört der öffentlichen Wohnungsbaugesellschaft Empresa Municipal de la Vivienda (EMV) und stand seit einer Renovierung im März 2025 leer. Ein Gesetz der Madrider Regionalregierung aus dem Jahr 2024 (Ley 3/2024) ermöglicht beschleunigte Räumungen von besetztem öffentlichem Wohnraum innerhalb von 48 Stunden nach Gerichtsbeschluss. Im gesamten Jahr 2025 gab es in der Region Madrid 314 Räumungen von besetzten Wohnungen, ein Anstieg von 18% gegenüber 2024. Gleichzeitig stieg die Zahl obdachloser Familien in der Comunidad de Madrid laut der NGO RAIS Fundación auf 1.850.

Bildquelle: Pixabay