Der verbannte Bürgermeister von Köln im Siebengebirge

Es war eine finstere Mitternachtsstunde, und über das Siebengebirge legte sich eine unheimliche Stille. Nur das rätselhafte Geräusch von Wagenrädern, der dumpfe Hufschlag und das unheilverkündende Klatschen einer Peitsche durchbrachen die Dunkelheit.

Die Pferde, die dieses Gespann zogen, waren so schwarz wie die Nacht selbst. Ihre nassen Nüstern schienen Feuer zu speien, und ihre tellergroßen Augen funkelten gespenstisch im nächtlichen Dunkel. Der Wagen, den sie zogen, schien aus lauter Flammen errichtet zu sein, und seine Räder sprühten Funken in die Finsternis.

Doch das Entsetzlichste saß auf dem Kutschbock. Ein Ungeheuer, dessen Erscheinung selbst den Mutigsten das Blut in den Adern gefrieren ließe. Doch noch schauerlicher war das Bild auf den Polstern des Wagens, das von den flackernden Flammen hell erleuchtet wurde. Dort saß ein Mann, der einst der Bürgermeister von Köln war und die Stadt aus Verrat verriet. Nun musste er jährlich viermal zur Geisterstunde diese qualvolle Fahrt unternehmen.

Quelle: Simrock, Rheinland, S. 473.

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