Der Untergang der Silberkaul: Eine alte Sage aus Uckerath

In längst vergangenen Zeiten überschüttete die Silberkaul, eine Bergwerkstätte in der Nähe von Uckerath, unermüdliche Männer aus Köln mit ihrem Reichtum an Silber. Doch in ihrer Gier trieben diese Männer unheilvolle Praktiken und verfielen der Abgötterei.

Ein seltsames Ritual begleitete ihre Schürfarbeiten, bei dem sie Kegel und Kegelkugeln aus Weiß- und Schwarzbrot formten. Mit den Weißbrotkugeln in der Hand riefen sie: “Engel, lauf!” und bei den Schwarzbrotkugeln lautete der Ruf: “Teufel kommt nach!”

Die Männer lebten inmitten ihres Wohlstands und vergaßen die Gefahren, die in den Tiefen der Silberkaul lauerten. An einem bestimmten Tag, an dem sie ihren Lohn erhielten und ausgelassen feierten, geschah das Unglaubliche. Plötzlich tauchte ein scheues Reh auf und stürmte in den Bergwerkstollen. Die Männer, berauscht von ihrem Fest, folgten der unerklärlichen Erscheinung in die Dunkelheit der Mine, ohne zu zögern. Keiner blieb zurück, und in dem Moment, als der letzte Mann die Schwelle des Stollens überschritt, geschah das Unfassbare – die Silberkaul stürzte ein und begrub sie alle unter sich.

Das tragische Schicksal dieser Männer traf nicht nur ihre Familien in Köln, sondern riss eine tiefe Wunde in die Gemeinschaft von Uckerath. Fünfhundert verzweifelte Frauen aus Köln machten sich auf den Weg, um nach ihren verlorenen Männern zu suchen. Ihre Klagen und Tränen hallten durch die Region, und ihre Trauer war greifbar.

Quelle: “Neue Bergische Sagen”, gesammelt von Otto Schell, erschienen 1905 in Elberfeld.

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