Der kopflose Geist von Oberpleiß

In den malerischen Gefilden von Oberpleiß (heute Oberpleis geschrieben), einem beschaulichen Ort mit tief verwurzelten Traditionen, ereignete sich vor langer Zeit eine Geschichte, die bis heute die Gemüter der Einwohner bewegt. Es war eine finstere Nacht, in der eine Gruppe junger, übermütiger Burschen zusammenkam und den Mut aufbrachte, eine gewagte Challenge anzunehmen: Wer wäre bereit, mitten in der Nacht um 12 Uhr die Kirche zu betreten?

Die Spannung in der Gruppe stieg, als sich endlich einer der tapferen jungen Männer dazu bereit erklärte. Ohne zu zögern, begab er sich auf den Weg zur Kirche, begleitet von gespanntem Schweigen und aufgeregtem Flüstern der anderen. Die Dunkelheit und die bedrohliche Stille um ihn herum machten ihm Angst, doch sein Entschluss stand fest.

Die Mitternacht näherte sich rasch, und die Gruppe folgte ihm auf leisen Sohlen. Als sie schließlich die schattige Silhouette der Kirche erreichten, konnte niemand ahnen, welche Schrecken in dieser Nacht auf sie lauerten. Der mutige Bursche betrat die Kirche, doch die Minuten vergingen, ohne dass er zurückkehrte.

Die Ungewissheit und die Dunkelheit drückten schwer auf die Herzen der übrigen Burschen, bis schließlich der mutige Abenteurer aus der Kirche trat – jedoch ohne Kopf! Ein Aufschrei des Entsetzens durchbrach die Stille der Nacht, als die anderen Augenzeugen den grausigen Anblick des kopflosen Geistes sahen.

Seit diesem schicksalhaften Ereignis muss der unglückselige Bursche wegen seines Frevels als kopfloser Geist jede Nacht zur Geisterstunde die Kirche umwandeln. Sein Schicksal ist besiegelt, und seine Anwesenheit dient als mahnende Erinnerung an die Folgen übermütigen Handelns.

Diese faszinierende Geschichte wurde aus dem Buch “Neue Bergische Sagen”, gesammelt von Otto Schell, im Jahr 1905 in Elberfeld überliefert.

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