Der bucklige Musiker und die Elfenkönigin im Siebengebirge

In den düsteren Wäldern des Siebengebirges, mitten in der Mitternachtsstunde, rannte ein buckliger Musiker auf einem Waldpfad talabwärts zum Rhein. Die Erinnerungen an die fröhlichen Klänge, die er auf einer nahegelegenen Kirchweih gespielt hatte, hallten immer noch in seinen Ohren wider.

Doch jetzt überkam ihn plötzlich eine unheimliche Angst vor gespenstischem Spuk, und er eilte so schnell wie seine beflügelten Beine ihn tragen konnten, in Richtung seines trauten Heims.

Während er über eine hell erleuchtete Wiese lief, verlor er den richtigen Pfad aus den Augen. Die Nebelschwaden wurden immer dichter, und inmitten dieser mysteriösen Szenerie erschien plötzlich ein Chor von Elfen. Sie umringten den Musiker, tanzten und sangen um ihn herum. Er fühlte sich wie in einem Traum, völlig willenlos, während die Elfen ihn zu einem großen Felsen führten und ihn aufforderten, fröhliche Melodien zu spielen.

Anfangs war er schüchtern, doch sein Spiel wurde mit jeder Minute begeisterter und wilder. Es schien, als ob der gesamte Geisterchor zu den zarten Tanzschritten der Elfen musizierte. Der Tanz wirbelte in den seltsamsten Formationen und anmutigsten Linien dahin. In einem Moment erreichte die Begeisterung ihren Höhepunkt, und plötzlich hörte der Tanz auf. Die Königin der Elfen, strahlend in silbernen Gewändern, schwebte heran und bedankte sich beim Musiker. Dann berührte sie ihn mit einem geheimnisvollen Stab, und der Spuk verschwand, die Grabesstille kehrte zurück.

Im Mondenschein erreichte der Musiker bald darauf wieder den richtigen Weg und ging mit einem leichten Herzen nach Hause. Als er bei Tagesanbruch an seine Hütte klopfte, wurde er von seiner Frau mit einem lauten Freudenschrei empfangen. Denn sein entstellender Buckel war verschwunden. Die Elfenkönigin hatte ein Wunder gewirkt.

Diese faszinierende Geschichte stammt aus dem Buch “Lorelei” von W. Müller von Königswinter, Seite 186.

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