Würde endet nicht mit dem Tod

Ratshaus Troisdorf
Ratshaus Troisdorf

Christian Leye, Landessprecher von Die Linke. NRW ist empört über die Praxis der Stadt Troisdorf die bei sogenannten Armenbegräbnisse anonyme Bestattungen weit weg vom ehemaligen Lebensmittelpunkt der Verstorbenen durchführen lässt. 

Dazu erklärt Christian Leye:
„Wenn Menschen, ohne dass sie dies gewünscht haben, weit weg von ihrem ehemaligen Wohnort und damit von ihren Hinterbliebenen anonym beerdigt werden, so ist das schlicht würdelos. Wie weit sind wir gekommen, wenn eine Kommune so mit ihren verstorbenen Bürgern umgeht? Die Würde des Menschen darf nicht vom Geldbeutel abhängen – weder im Leben noch im Tod.“

Rolf Conlé, Sprecher von DIE LINKE.Rhein-Sieg fügt hinzu: „Bestattungsrituale und Bestattungsfeiern finden sich daher in jeder Kultur, in der mehr als Werkzeuggebrauch üblich ist, so Wikipedia. Nur den mittellos Verstorbenen in Troisdorf (und wohlmöglich auch in anderen Kommunen) wird dies verwehrt. Dies ist ein Verlust an Kultur, Zivilisation und Ausdruck verlorener Menschlichkeit. Der Troisdorfer Bürgermeister wäre gut beraten, diese unsägliche Praxis sofort zu beenden.“

„Zurzeit prüft DIE LINKE, ob die beschriebene Praxis im Umgang mit Toten, über die Stadt Troisdorf hinaus, auch in anderen Kommunen Usus ist. Gegebenenfalls ist hier der Landesgesetzgeber gefordert“ so Leye abschließend.

Die Stadt Troisdorf erklärte auf Anfrage am 01.07.2019 per Mail: 
„… Zu Ihrer Anfrage bezüglich des Ablaufs von ordnungsbehördlichen Bestattungen kann ich Ihnen folgendes mitteilen:
Die Stadt Troisdorf als örtliche Ordnungsbehörde ist nach § 8 des Gesetz über das Friedhofs- und Bestattungswesen (Bestattungsgesetz – BestG NRW) verpflichtet, die Bestattung eines Toten, dessen Tod im Stadtgebiet eingetreten ist oder der im Stadtgebiet tot aufgefunden wurde, zu veranlassen, soweit die Hinterbliebenen ihrer Bestattungspflicht nicht oder nicht rechtzeitig nachkommen.
Über die Durchführung der ordnungsbehördlichen Bestattungen wurde ein Vertrag mit einem Bestattungsunternehmer geschlossen, dem ein entsprechendes Leistungsverzeichnis zu Grunde liegt.
Danach erfolgen ordnungsbehördliche Bestattungen als anonyme Feuerbestattung in einem durch den Bestatter ausgewählten Krematorium, das auch die anschließende Urnenbeisetzung in einer anonymen Urnengrabstätte sechs Wochen nach der Einäscherung übernimmt. Ich kann Ihnen versichern, dass der achtsame Umgang mit der Asche des Verstorbenen dabei immer gewährleistet ist und eine würdevolle Urnenbeisetzung erfolgt.  
Sofern bestattungspflichtige Angehörige bzw. Dritte die weiteren Veranlassungen der Bestattung übernehmen, wird der Vertrag zwischen Bestatter und Ordnungsbehörde unwirksam. Die Leistungen für diesen Sterbefall werden dann in vollem Umfang mit dem neuen Auftraggeber abgerechnet.
Sollten Sie in der Angelegenheit noch ergänzenden Gesprächsbedarf haben, stehe ich Ihnen gerne als Ansprechpartner zur Verfügung.“

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