Vom Gesundheitswesen zum Unwesen – Folge 3

Sie erinnern sich an Folge 2? Da wurde die stationäre Reha immer wieder abgelehnt, aber die Patientin hat sich durchgesetzt.
Die Sachbearbeiterin, die abgelehnt hatte, gab den Antrag an die Beschwerdekommission weiter. Dort war dann eine Mitarbeiterin, die nicht nach Schema F handelte, sondern sich mit der Argumentation der Patientin auseinander setzte. Sie sprach es mit der Ärztin durch und dann ging alles sehr schnell.

 

Die erste vorgeschlagene Klinik hörte sich gut an, aber, diese konnte nicht sicher stellen, dass die Ernährung frei von dem Allergen sei, auf welches die Patientin reagiert.
Also wurde eine andere Klinik gefunden und da wurde auch zugesagt, allergenfrei, obwohl kompliziert, kein Problem.
Die Freude bei der Patientin war riesengroß, endlich erhielt sie Hilfe.
Die Aufnahme war freundlich, das Zimmer mit Balkon, alles prima.

Das erste Essen stand an und dann kam es:
In der Küche war niemand informiert über eine auf das spezielle Allergen ausgerichtete Ernährung. Es war also nix anders, als auch zu Hause, es war schwierig, da man ja kein Fachmann ist, zu wissen, wo das Zeug drin ist.
Zur kurzen Erklärung:
Bromelain, ein Enzym der Ananas, das eigentlich sehr gesund ist, aber nicht, wenn man allergisch darauf ragiert. Zur Kennzeichnung von Zusatzstoffen ist zu sagen, als biotechnisches Verfahren muss Bromelain nicht deklariert werden. Es ist dann auch eine Zutat, kein Zusatzstoff.
Auf Nachfrage der Patientin, wer denn vorher gesagt habe, das würde in Ordnung gehen, kam heraus, dass es ein Arzt gewesen ist, der dieses Versprechen machte.
Der Küchenchef, sehr bemüht, sprach nochmals mit dem Arzt und dieser hatte ihm gesagt, die Patientin sei ja alt genug und müsse Wissen, was sie vertrage. Punkt

Das war aber nicht die einzige Enttäuschung.
Es gab ja bei der Patientin noch mehr Beschwerden, körperlich Beschwerden.
Beim Nachfragen wegen entsprechender Untersuchungen gab es regelmäßig die Antwort:
„Das müssen sie von zu Hause aus machen, das bekommen wir nicht bezahlt.“ (sinngemäß zitiert)
Ein Beispiel:
Es ging um ein Ekzem und die Frage, ob das sich auch in den Körper ausbreiten könne:
Die Antwort lautete:
„Das können wir hier nicht untersuchen, das bekommen wir nicht bezahlt. Aber wenn Sie wieder zu Hause sind, sollten Sie das dringend untersuchen lassen.“ (sinngemäß zitiert)
Mit dem Arzt hatte sie einmal in der Wochen ca. 3 Minuten ein Gespräch, außer bei Besonderheiten, dann kamen nochmals 3 Minuten dazu, aber der häufigste Satz war:
„Das bekommen wir nicht bezahlt.“
Im Prospekt hatte auch gestanden, dass nachts Pflegepersonal erreichbar sei, aber auch das gestaltete sich schwierig, da immer ein Schild an der Tür hing, die Schwester sei auf jener Station erreichbar, wo dann aber ein Schild hing: Ich bin zur Zeit im Haus
unterwegs.
Mir scheint, im Vorfeld wurden Versprechungen gemacht, persönlich der Krankenkasse gegenüber und im Prospekt, die mit der Wirklichkeit nichts zu tun hatten.
Während des Aufenthaltes der Patientin in der Klinik kam es mindestens zweimal
zu Notfällen, bei denen der Rettungsdienst verständigt werden musste und die
Patienten ins Krankenhaus kamen.
Das, wovon unsere Patientin profitierte war: Sie konnte im geschützten Raum Essen ausprobieren und kam auch zu neuen Erkenntnissen dadurch, wobei ihr aber niemand half.
Und sie konnte beim Kraftsport Muskeln wieder aufbauen.
Man kann hier wunderbar erkennen, das Gesundheitswesen war bei Reha früher so, dass körperliche Beschwerden natürlich mit untersucht und behandelt wurden.
Das gibt es heute nur noch, wenn die Beschwerden direkt mit der ursächlichen, für die Reha verantwortlichen, Krankheit zu tun haben.
DAS war früher anders.
Worin besteht also das Unwesen?
In der Werteverschiebung, in der Werteverschiebung vom Wert des Menschen zum Wert des Geldes, das immer höher eingeschätzt wird.

Es gibt Im Internet Unterlagen zu früher und heute. Davon wird Folge 4 handeln.