Stellungnahme des St. Theresiengymnasiums

St. Theresien - Gymnasium, Bild by DIE LINKE OV Berggemeinden

St. Theresien – Gymnasium, Bild by DIE LINKE OV Berggemeinden

Ihr Artikel in „Das Ratsblatt“ vom 23.02.2016

Sehr geehrter Herr Kemper,
Ihren Artikel „Verfassungsfeinde in Ruppichteroth werden jedes Jahr mit hunderttausenden Euro von NRW unterstützt“, erschienen am 23.02.2016 unter www.ratsblatt.de, haben wir mit Bestürzung und persönlicher Betroffenheit zur Kenntnis genommen. Wir möchten betonen, dass wir jeglichen Vorwurf einer angeblichen „Verfassungsfeindlichkeit“ unserer Schule oder unseres Schulträgers
vollständig von uns weisen. Auch bietet Ihr Artikel an keiner Stelle dafür einen Anhaltspunkt.
Vielmehr wird unterstellt, wir kämen weder unserem uns vom Staat übertragenen Schulauftrag noch unserer Erziehungspflicht in einer für unsere Demokratie angemessenen Weise nach. Dies weisen wir entschieden zurück. Selbstverständlich stehen wir vollumfänglich hinter dem Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland sowie dem Schulgesetz des Landes NRW, auch arbeiten wir regelgerecht
nach seinen Lehrplänen und allen sonstigen, die Privatschulen betreffenden Vorschriften.


In Ihrem Artikel werden hingegen Aussagen aus verschiedenen Internetquellen so miteinander vermischt, dass damit ein vollkommen schiefes Bild von unserer Schule und unserer geistigen Ausrichtung entsteht. Ihre Vorwürfe, die ja auch Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter unserer Schule betreffen, die gar nicht zur Priesterbruderschaft St. Pius X. gehören, empfinden wir als rufschädigend, ja ehrenrührig. Daher möchten wir zu einzelnen Punkten Ihres Artikels Stellung nehmen.

  1. Aussagen einzelner Geistlicher der Priesterbruderschaft St. Pius X., die zum Teil bloß deren private Meinung widerspiegeln, werden aus dem Zusammenhang genommen zitiert und als angebliche Leitlinie unserer Schule dargestellt. Leider werden in Presse und Internet immer wieder auch für uns völlig inakzeptable extremistische Äußerungen von Personen aufgeführt, die aus diesen und anderen Gründen längst aus der Bruderschaft ausgeschlossen worden sind und von denen wir uns klar distanzieren.
  2. Aussagen zu theologisch höchst differenziert zu betrachtenden Fragen wie die nach der weltanschaulichen Neutralität des Staates und seinen Aufgaben vor Gott werden umgemünzt in eine angebliche Forderung nach einem „christlichen Gottesstaat“. Richtig ist: Die Bundesrepublik Deutschland kennt bislang keine laizistische Struktur etwa nach dem Vorbild Frankreichs. Sie hat im Gegenteil sogar den Gottesbezug im Grundgesetz verankert (Präambel). Wir sprechen uns dafür aus, dass dies so bleibt.
  3. Wir können auch keinen Zusammenhang zwischen unserem Festhalten an der offiziellen Morallehre der katholischen Kirche im Hinblick auf „Abtreibung, Homosexualität, Pornografie und außereheliche Beziehungen“ und einer angeblichen Verfassungsfeindlichkeit erkennen.
  4. Selbstverständlich wenden wir uns auch nicht gegen Flüchtlinge als Personen. Nach unserer christlichen Überzeugung sind sie, wie alle Menschen, Ebenbilder Gottes und verdienen als solche in Not und Verfolgung Schutz und Hilfe. Zum Gelingen der aktuellen, gewaltigen Herausforderungen werden auch wir nach Möglichkeit unseren Beitrag leisten. Im Hinblick auf die Unterbringung von Flüchtlingen in ziemlicher Nachbarschaft zu einem Internat, in dem über 100 Mädchen und Frauen die meiste Zeit des Jahres wohnen, erwarten wir von den
    in unserer Kommune politisch Verantwortlichen Sensibilität, auch gegenüber den Eltern und Erziehungsberechtigten, die ihre Kinder in die Obhut unserer Gemeinde geben.
  5. Wir möchten festhalten, dass wir uns sowohl im Hinblick auf soziale als auch moralische Fragen auf die überlieferte Lehre der katholischen Kirche berufen. Dazu gehören natürlich auch Enzykliken der Päpste. In diesem Zusammenhang sollte man nicht vergessen, dass auch die Mütter und Väter des Grundgesetzes, die unser Land nach Jahren totalitärer und menschenverachtender Gewaltherrschaft auf neuer Grundlage errichtet haben, mehrheitlich
    dieser religiösen Überzeugung anhingen. Es gibt keine Spannung zwischen katholischer Tradition und unserem demokratisch verfassten Staatswesen.
  6. Die Verwendung des Begriffes „Sekte“ ist in höchstem Maße unangemessen. Auch von offizieller kirchlicher Seite wird er im Zusammenhang mit uns niemals verwendet. Wir verstehen uns als Teil der römisch-katholischen Kirche mit eigenem Profil und werden von dieser auch so betrachtet. Wie anders wäre es möglich, dass Papst Franziskus unseren Geistlichen erst kürzlich die volle und uneingeschränkte Beichtjurisdiktion übertragen hat?
  7. Was die vorübergehende Schließung unserer Schwesterschule in Saarbrücken vor vielen Jahren anbelangt, so haben die Gerichte damals festgestellt, dass im Falle des in keiner Weise zu tolerierenden Verhaltens eines einzelnen Lehrers die Schulleitung angemessen reagiert hat. Daher wurde die Schließung aufgehoben. Selbstverständlich lehnen wir körperliche Züchtigung als Erziehungsmittel ab! Die Auflösung und Verlagerung des ehemaligen DonBosco-Gymnasiums in Diestedde in die Schweiz stand, anders als im Artikel suggeriert wird, in überhaupt keinem Zusammenhang mit diesem Einzelvorkommnis in Saarbrücken, sondern
    hatte im Wesentlichen organisatorische und finanzielle Gründe.
  8. Ihre Kritik an den finanziellen Zuschüssen des Landes an unsere Schule erscheint vor demHintergrund von Art. 7 Grundgesetz, aus dem die Pflicht des Staates zur Förderung von Privatschulen je nach Landesrecht hervorgeht, unangemessen.

Die Veröffentlichung eines persönlichen Briefes von Sr. Maria Michaela an Herrn
Bürgermeister Loskill auf Ihrem Internetportal ist inakzeptabel und verletzt das Briefgeheimnis. Wir fordern Sie auf, diesen Brief umgehend aus dem Netz zu nehmen.

Sehr geehrter Herr Kemper, seit vielen Jahren leistet das St.-Theresien-Gymnasium Schönenberg einen wichtigen Beitrag zum sozialen und wirtschaftlichen Leben in unserer Gemeinde. Seit unserem Bestehen arbeiten wir mit dem Bürgermeister, den Personen in den Behörden vor Ort und in der Bezirksregierung eng zusammen und genießen ihr Vertrauen. Die Leistungen unserer Schülerinnen sind im Landesvergleich (Zentralabitur) regelmäßig überdurchschnittlich. Einer neuerlichen Prüfung
durch die Landesregierung in welcher Form auch immer sähen wir mit größter Gelassenheit entgegen.
Gerne möchten wir Sie dazu einladen, sich einmal vor Ort und im Gespräch mit uns einen persönlichen Eindruck vom St.-Theresien-Gymnasium zu machen.

Hinweis: Dieses Schreiben wurde mit freundlicher Genehmigung des St. Theresien-Gymnasiums hier veröffentlicht.


Unsere Antwort auf dieses Schreiben lautete:

Sehr geehrte Sr. Maria Michaela Metz, sehr geehrter Herr Dr. Johannes Laas,

vielen Dank für Ihr Schreiben vom 29.02.2016. Wir sind offensichtlich sehr unterschiedlicher Meinung, was die Aussagen in unserem Artikel vom 23.02.2016 angeht. 
Aus unserer Sicht ist die Aussage: „Allein die wahre Religion hat ein Recht darauf die Unterstützung des Staates zu genießen.“ (http://www.fsspx.de/de/der-richtige-gebrauch-der-freiheit); besonders gefährlich. Denn es ist eine Absage an die, in unserer Verfassung garantierte, Religionsfreiheit, ein Alleinvertretungsanspruch und damit geeignet den inneren Frieden zu stören.
Dies ist die wesentliche Aussage, alle anderen Zitate sind nur weitere Indizien, die wir ergänzend hinzugefügt haben.
Auf der anderen Seite haben wir jedoch auch positiv zur Kenntnis genommen, dass Sie unter Punkt 5 feststellen, dass es keine Spannungen zwischen katholischer Tradition und unserem demokratisch verfassten Staatswesen sehen.
Wir sehen im Übrigen das Briefgeheimnis nicht verletzt. Das Schreiben von Sr. Maria Michaela Metz wurde uns als Fraktion, im Rahmen eines öffentlichen Tagesordnungspunktes, innerhalb einer Sitzung des Gemeinderats, übergeben. Eine Veröffentlichung verstößt daher nicht gegen das Briefgeheimnis. Wir haben das Schreiben, um unseren guten Willen zu zeigen, dennoch entfernt. Es ist für die Aussagekraft unseres Artikels nicht unbedingt notwendig.
Wir bieten Ihnen auch an Ihre eigene Stellungsnahme zu unserem Artikel online zu stellen. Dies kann im Rahmen eines eigenen Artikels, oder als Ergänzung unseres Artikels geschehen. Falls Sie darauf zurück greifen möchten, so bitten wir um Mitteilung.
Gerne möchten wir Ihre Einladung annehmen, und Ihre Schule einmal besichtigen. Hierzu würden wir Sie in den nächsten Tagen gerne anrufen.
Auf der anderen Seite möchten wir jedoch auch deutlich zum Ausdruck bringen, dass wir unsere kritische Haltung Ihnen gegenüber beibehalten. 
Mit freundlichen Grüßen
Frank Kemper
Kreistagsabgeordneter im Kreistag des Rhein-Sieg-Kreis, Fraktionsvorsitzender der Fraktion DIE LINKE im Rat der Gemeinde Ruppichteroth, DIE LINKE OV Berggemeinden (Much-Ruppichteroth)